Exkursion nach Amsterdam

Im November 2018 fuhr der Masterkurs »Typografie und Buchgestaltung« anlässlich des Amsterdam Art Weekend mit 12 Studierenden und drei Lehrenden auf Exkursion nach Amsterdam.
Schwerpunkt der Exkursion war der Besuch der erstmals stattfindenden Kunstbuchmesse »Printing Plant: Art Book Fair«, die mit ihren 60 Ausstellern und einem spannenden Rahmenprogramm aus Performances, Konzerten und Vorträgen eine interessante Plattform für unabhängige Verlage und junge Buchgestaltung bildet. Neben beeindruckenden Buchprojekten der Aussteller/innen blieben besonders die belgische Künstlerin An Onghena mit ihrer »Performance for the Book« sowie die in einer Podiumsdiskussion vorgestellten Projekte »Marginalia« von Anja Lutz und »Good Surface« von Piere Bisello und Olivier Bertrand in Erinnerung, die die Anatomie des Buchkörpers hinterfragen und neu denken.
In Ergänzung zu der Kunstbuchmesse besuchten wir auch den seit 1986 bestehenden und von Künstlern geführten Buchladen »Boeki Woeki«. Unter den etwa 7000 Künstlerbüchern, die fast ausschließlich im Selbstverlag und in kleinen Auflagen erschienen sind, finden sich großartige Schätze.
Anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Rietveld Akademie besuchten wir die Jubiläumsausstellung »Gerrit turns 50, Willem only 28« und hatten ganz nebenbei Gelegenheit, uns auf dem Campus der Hochschule umzusehen. Die Ausstellung wurde von Absolvent/innen der Hochschule, dem Kurator Moritz Küng sowie 12 Gastkurator/innen kuratiert und macht den Versuch, die Geschichte der Gerrit Rietveld Akadmie und des Willem Sandberg Instituut anhand von Werken aus den letzten 50 Jahren einzufangen. Eine Auswahl der etwa 10000 Arbeiten von Künstler/innen und Designer/innen, Studierenden und Lehrenden wurde in der Ausstellung in von Harry Burton und Andy Warhol inspirierten Zeit-Kapseln präsentiert.
Zudem besuchten wir das Eye Film Museum, um uns die Ausstellung des japanischen Künstlers Ryoji Ikeda anzusehen. Die audiovisuellen Arbeiten Ikedas basieren auf mathematischen Konzepten, Quantenmechanik und komplexen Datensätzen, die reduziert auf Ton und Licht beeindruckende und atemberaubende Installationen entstehen lassen.
Zum Abschluss der Exkursion standen zwei große Museen auf dem Programm. Das Rijksmuseum zeigt etwa 8000 Exponate aus Kunst, Handwerk und Geschichte, darunter vorrangig Malerei und Kunst aus den Niederlanden sowie aus den niederländischen Kolonialgebieten. In der Sammlung des Stedelijk Museums sind alle bedeutenden Strömungen der modernen Kunst vertreten, von der Klassischen Moderne über umfangreiche Werkgruppen der Künstlergemeinschaft De Stijl bis hin zu Pop Art. Zudem hatten wir hier die Möglichkeit, die erste große Ausstellung des Kollektivs Metahaven, »Metahaven: Earth« zu besuchen. Das Kollektiv wurde durch seine genreübergreifenden Arbeiten bekannt, die Corporate Identities, Rauminstallationen und filmische Arbeiten mit designtheoretischen Fragen und politisch brisanten Themen verknüpfen.

28.03.2019 Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Typografie und Buchgestaltung

Die Sprache, ihre Visualisierung und Inszenierung, steht im Mittelpunkt des Studiums der Typografie und Buchgestaltung an der Muthesius Kunsthochschule.
Das Bachelorstudium ist von einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Medium Schrift und seinen Ausdrucksmöglichkeiten geprägt. Die Studierenden beschäftigen sich mit der Geschichte der Schrift und des Druckes, nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch, indem sie verschiedene Schreibmethoden, wie bspw. mit der Spitz- oder Breitfeder, selbst erproben und auch alte Druck- und Herstellungsverfahren, wie den Bleisatz oder das Buchbindehandwerk, kennen- und für die eigene Gestaltung nutzen lernen.
Sie studieren die unterschiedlichen Schriftformen und entwickeln ein Gespür für den Charakter einer Schrift und seine Wirkung auf die Sprachrezeption. In den verschiedensten Anwendungen – vom Schriftzug, über Briefbogen, Plakat, bis hin zu einer komplexen Buchgestaltung – lernen die Studierenden Schriften gezielt einzusetzen. In Experimenten erforschen sie darüber hinaus, inwieweit Verschiebungen oder Irritationen die Gestaltung interessant machen und bereichern können und beginnen, eigene Themen zu entwickeln.
Im Masterstudium mit dem Schwerpunkt Typografie und Buchgestaltung wird die Arbeit mit Schrift weiter vertieft und gleichzeitig den freien Arbeiten mehr Raum gegeben. Die Studierenden entwickeln Projekte, die sich sowohl im Bereich der klassischen Buchgestaltung als auch in experimentellen Randbereichen des Designs bewegen. Ein Schwerpunkt des Studiums liegt dabei auf dem Umgang mit Sprache. Die Studierenden werden ermutigt, diese nicht nur zu visualisieren, sondern auch selbst Texte zu verfassen oder die Rolle eines Herausgebers einzunehmen. Es wird mit Sprache experimentiert, sowohl mit Stimme als auch mit Schrift, und die Beziehung beider zueinander untersucht. Dabei werden nicht nur die semantischen, sondern auch die körperlichen und sinnlichen Eigenschaften von Sprache und Schrift genutzt. Überschreitungen der Grenzen zu anderen künstlerischen Disziplinen, wie Literatur, Musik, Theater, Mode oder Film, können zu einem Quell neuer Themen und gestalterischer Ideen werden.
Der Schwerpunkt Typografie und Buchgestaltung an der Muthesius Kunsthochschule wird seit 2009 von Prof. André Heers (Typografie und Gestaltung) und Prof.in Annette le Fort (Buchgestaltung) geleitet.

Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem Lyriker Prof. Oswald Egger, der im Kommunikationsdesign die Professur für Sprache und Gestalt innehat, mit dem holländischen Schriftgestalter Albert-Jan Pool, der das Fach Schriftgestaltung sowohl im Bachelor-, als auch im Masterstudium anbietet und dem Institut für Kunst-, Design- und Medienwissenschaften, dem theoretischen Zentrum der Hochschule.

Zusätzliche Workshops internationaler Designer und Künstler, wie bspw. der holländischen Künstlergruppe De Geuzen, des dänischen Buchkünstlers Kasper Andreasen oder des italienischen Komponisten Alessandro Bosetti, öffnen das Studium nach außen und geben wichtige Impulse.

Wichtiger Ort der Begegnung ist dazu das Symposium Dialog der Schrift, das alle zwei Jahre in Kiel stattfindet und zu dem internationale Designer, Künstler und Theoretiker eingeladen werden. Die Vorträge werden dabei von einer Ausstellung typografischer Arbeiten begleitet.

Fragen ?

Prof. André Heers
T 0431 / 5198 – 449, E post@fliegendeteilchen.de
Prof.in Annette le Fort
T 0431 / 5198 – 449, E lefort@muthesius.de